Zu Hause--ohne Baby

19.11.2012

Die Fahrt nach Hause war einfach schrecklich.

Das Wetter war mies

Kalt,neblig,und es nieselte.Es wurde nicht gesprochen.Wir alle 3 hingen unseren Gedanken nach,und ich schluchzte leise vor mich hin.

Zu Hause wollte ich dann allein sein,setzte mich im Dunkeln in die Küche,und versuchte an GAR NICHTS zu denken,in der Hoffnung,diesen schrecklichen Schmerz loszuwerden.

Die nächsten 2 Wochen

Dezember 2011

Der Dezember war nicht einfach.

Es gab gute und schlechte Tage.

Manchmal war ich völlig in meiner Trauer gefangen,und habe mich den ganzen Tag über kaum bewegt und viel geweint.

Besonders schlimm war es,als Ivo wieder arbeiten mußte und Richard in der Schule war.

Da hatte ich manchmal richtig Panik vor dem Alleinsein.

Dann bekam ich oft Anfälle von blindem Aktionismus.Ich räumte und putzte in der Wohnung umher wie wild.

Dagegen habe ich dann auch wieder tagelang gar nichts gemacht,tausend Dinge angefangen und nicht zu Ende gebracht.

Ich konnte aber immer mit meinen Schwestern,und Mutti reden wenn mir danach war,und das hat mir sehr geholfen.

Leider war mein Mann in dieser Hinsicht sehr verschlossen.

Er nahm mich zwar in den Arm,wenn er sah,daß es mir nicht gut ging,und wenn ich mich abends in den Schlaf weinte drückte er mich ganz fest an sich,aber Reden...da blockte er ab.

Ich hatte dann mehrere Termine bei einer Sozialarbeiterin der AWO.

Sie war sehr einfühlsam,und machte mir auch begreiflich,daß Männer anders trauern.

Sie empfahl uns eine Familienkur zu beantragen und half uns auch dabei.

Am 6. konnte ich Friedrichs Urne abhohlen.

Das war ein sehr bewegender Moment.

Ich trug ihn,ganz fest an mich gedrückt,zum Auto.

Ich dachte dabei:"Was machst du hier eigentlich,eigentlich solltest du den Kleinen in ein paar Monaten in seiner Babyschale ins Auto tragen!!!"

Ich bin aber sooo froh,daß Friedrich auf diesem Wege hier bei uns zu Hause sein kann!

Weihnachten und Silvester waren gar nicht so schlimm,aber Friedrich wäre ja auch erst nächstes Jahr dabei gewesen.

waren ein ständiges Auf und Ab der Gefühle.

Es gab viel zu tun.

Ich hatte Arzttermine,und wir mussten uns ein Bestattungsinstitut suchen.

Wir wollten Friedrich einäschern lassen,und seine Urne zu Hause behalten.

In unser näheren Umgebung fanden wir jedoch kein passendes Unternehmen,das nächste,das uns unseren Wunsch erfüllen konnte war eine Autostunde entfernt.

Am Montag fuhren wir 3 dann dorthin,um die Formalitäten zu erledigen.

Richard hatte schon vorher gesagt,dass er seinen kleinen Bruder gerne noch einmal sehen möchte,und so fragte ich den Bestatter dann,ob das möglich wäre.

Er sagte dann,er würde sofort alles vorbereiten,und ein paar Minuten später konnten wir dann zu ihm.

Er lag in einem winzigen Sarg genau so,wie wir ihn in seinem Körbchen zurückgelassen hatten.Seine leichten Verfärbungen waren jetzt verschwunden,und er sah richtig rosig aus.

Wir streichelten ihn noch einmal,und ich legte ihn noch ein wenig zurecht,aber herausgenommen habe ich ihn nicht mehr.

Ich bin froh,dass wir ihn noch einmal gesehen haben.....

 

2014

18.11.2014 3. Sternengeburtstag

Nun ist es schon 3 Jahre her,das du gegangen bist mein Kleiner!

Heute war so schrecklich trübe draußen,da war die Stimmung automatisch auf dem Nullpunkt.

Ich habe eine Kerze für dich brennen lassen den ganzen Tag,und deinen Schrank neu geschmückt.

Ich hab mir all deine Bilder angesehen,und noch einmal die kurze Zeit,die wir mit dir verbringen durften,an mir vorüberziehen lassen.

Das Leben geht fast wieder seinen normalen Gang,und dein kleiner Bruder bringt so viel Freude in unser Leben.

Trotzdem frage ich mich immer wieder,wie du heute wohl aussehen würdest,was du jetzt schon alles machen könntest,wie sich wohl deine Stimme anhören würde?...

 

Die Zeit heilt alle Wunden,das stimmt schon ,aber eine Narbe bleibt für immer,und hin und wieder tut sie noch verdammt weh.....!